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Kenia ohne Motorrad

Fredis Touren- und Schraubertipps

28.03.2011

Kenia ohne Motorrad

Geschrieben von Alfred Vorbeck in Urlaub
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Fernreise nach Kenia ganz ohne Motorrad

 Flug, Kosten, Reisezeit

Ein paar Eindrücke

Ich wollte einmal etwas anderes- eine Traumreise ohne Motorrad, dafür mit Safari, Schnorcheln an einem Riff im indischen Ozean und anderen ungewohnten Aktivitäten......

Aufgrund des relativ günstigen Angebotes und wegen der Absage der eigentlich geplanten Ägyptenreise griffen wir -das sind ein befreundetes Ehepaar, meine "Sozia" und ich- auf Kenia zurück.  Der nackte Reisepreis belief sich auf ca. 1300,- Euro/Person im Doppelzimmer -All inclusiv-. Benötigt wurde ein Pass und ein Visum, das bei der Einreise ausgestellt wurde und 25 Dollar kostete. Ferner folgten wir den Empfehlungen, uns gegen Hepatitis impfen zu lassen (je 60,-€) und Malariaprofilaxe (Malaron, je Person ca. 80€) zu betreiben. Wir deckten uns auch mit einem Mückenschutz (No bite) und anderen Kleinigkeiten ein. Die eigens umgetauschten Dollarscheine haben ihre Beliebtheit verloren- Euro sind die bessere Währung. Kleine Scheine nicht vergessen- werden überall genommen oder gegen Kenia-Schilling getauscht.

Der Flug mit Air Berlin direkt von Düsseldorf nach Mombasa ging Nachts und dauerte 9 Stunden. Mombasa empfing uns um ca. 7.00 Uhr mit fast 30 ° und wolkenbedecktem Himmel. Bereits der Flugplatz ist eine andere Welt mit ureigenen Regeln- aber es funktioniert- wenn auch langsamer als bei uns, dafür stets freundlich. Per Bustransfer erreichten wir gegen 09.30 Uhr das Hotel Papillon Lagoon Reef. Dabei ist eine Zeitverschiebung (Winterzeit) von 2 Stunden zu berücksichtigen. Schwer beeindruckt von dem Linksverkehr und dem Wagemut unseres Busfahrers wurden wir im Hotel in Empfang genommen. Die Fahrt durch Mombasa, der Transfer mit einer Fähre und die zunächst unscheinbare Landschaft waren an uns vorbeigerauscht - zu müde, um zu begreifen, wie arm das Land eigentlich ist. Das kam später. Die Wahl des Hotels mit seiner wunderbaren Parkanlage und unglaublich nettem Personal, sehr guter Unterbringung und Top-Essen erwies sich als Lottogewinn. Nicht umsonst gibt es mehr als 300 Bewertungen im Internet mit einem Durchschnitt von mehr als 5 Punkten und einer Weiterempfehlungsquote von über 90 %. Die Lage am weißen Strand des indischen Ozeans mit vorgelagertem Riff trägt ihren Teil dazu bei. Die Zimmer des Hotels sind klimatisiert und alle in langestreckten dreistöckigen Nebengebäuden, gut in die Parkanlage integriert,  mit Terasse oder Balkon untergebracht. Nachts stört normalerweise nichts und niemand, weil die Rezeption in einem extra Gebäude liegt. Am Pool gibt es eine gut bestückte Bar- unter anderem mit Bier vom Fass und ganztägig mit allen anderen Getränken. Abends ab 21.30 h gibt es jeweils kleine Abendprogramme mit teilweise sehr guten einheimischen Künstlern- natürlich draußen im Park in landestypisch eingerichteter Kulisse mit Bar und Selfservice.

Hoteleingang- mit der Unterbringung in den kleinen Nebengebäuden des schönen Parks. Landestypisch und schön

Traumhafter Park mit Poollandschaft, direkt davor beginnt der Strand

Aktivitäten

Vom Park des Hotels aus gelangt man über eine kleine Treppe zum weißen Strand, der in starker Abhängigkeit von der Mondphase durch  unterschiedlich ausgeprägte Ebbe- und Flut ganz überflutet- oder bis zum ersten Riff frei wird. Natürliche Folge sind Tangablagerungen am Strand (uns störten sie nicht). Bei stark ausgeprägter Ebbe kann man Wanderungen über das freiliegende erste Riff machen und eine Vielzahl an allen möglichen Seetieren in den zurückgebliebenen Tümpeln beobachten.

Über eine Treppe an den Strand des indischen Ozeans, hier bei Ebbe mit Strandboys (das sind Verkäufer, eigentlich immer nett, selten fordernd)

Direkt an der Treppe beginnt ein Stück "Straße" mit allerlei Verschlägen und Verkaufständen. Man sollte seine Angst vor dem Fremden verlieren und die 150 bis 200 m lange Straße begehen. Die Menschen dort sind freundlich- und natürlich darauf bedacht, jedem etwas zu verkaufen oder zu tauschen. Mir ist besonders aufgefallen, dass die aggressive Art der Anmache (wie in der Türkei oder in Tunesien) absolut nicht statt findet. Wir wurden weder am Arm gefaßt noch beschimpft, wenn wir nichts kauften. Statt dessen hörten wir durchaus auf Deutsch Sprüche wie: Man sieht sich immer 2 mal, Lügen haben kurze Bein, der Spatz in der Hand......usw. Der Weg bis zu den offiziellen Shops von Diani Beach (Ukunda)  lohnt sich daher eigentlich nicht.

Im übrigen ist bei mir durchaus ein Teil der alten Abenteuerlust nach wie vor erhalten. Deshalb habe ich mich -gemeinsam mit meinem Freund- auch gerne auf Verhandlungen mit den "Beachboys" über diverse Safaris oder Bootsausflüge eingelassen. Das Ergebnis war  eine einmalig gut organisierte Safari in den Tsavo- Nationalpark mit Übernachtung in einer Lodge (Lions Hill) und ein Ausflug mit einer Dau zu den Delphinen von Wasini Island, einschließlich von Einheimischen geführte Schnorcheltour. Die Safari haben wir mit Hilfe von Ali (wie er sich selbst nannte) gebucht. Er hat alles perfekt organisiert und uns während der ganzen Safari nicht aus den Augen gelassen- dabei wussten er und der Fahrer genau, wo man Löwen, Elefanten, Giraffen und natürlich viele Tiere mehr beobachten konnte. Wir haben es ihm gedankt, indem wir den Erfolg anderen Touristen mitgeteilt haben- und er damit eine Woche lang ausgebucht war.

Ali -unser zuvorkommender und zuverlässiger Safariguide, der uns am Strand überredet hat, mit ihm zu fahren. Wir würden es immer wieder tun.

Die gleiche positive Erfahrung haben wir auch mit einem anderen Einheimischen, der sich Capitän Iglu nannte, gemacht. Auch dieser war absolut zuverlässig und vertrauenswürdig. Er hat uns mehrfach zum Außenriff geschippert und während wir tauchten unsere Sachen behütet. Man sollte wissen, dass der Strand tatsächlich in "Verkaufsreviere" eingeteilt ist, die eifersüchtig bewacht werden. Auch dort gilt: Am Anfang ist die Haut noch weiß- man wird vermehrt angesprochen. Das lässt dann nach, wenn man langsam braun wird. Man wird freundlich angesprochen und sollte freundlich- aber durchaus bestimmt- bleiben. Es spricht sich herum.

Tierwelt an Land beim Hotel

Im gesamten Parkgelände des Hotels sind Meerkatzen und Paviane allgegenwärtig- und nicht ungefährlich. Ich begreife die Unbelehrbaren nicht, die trotz der überall befindlichen Warnhinweise insbesondere die Paviane und Meerkatzen füttern. Werden sie gebissen, ist ein Krankenhausaufenthalt über mehrere Tage fällig- denn die Affen übertragen in erheblichem Umfang gefährliche Krankheitserreger. Den Security Mitarbeitern wird dann noch der Vorwurf gemacht, sie hätten nicht genügend auf diese Idioten aufgepasst- und verlieren ihren Job.

Allgegenwärtig: Affen rund um das Hotel. Sie sind sehr schnell und raffiniert. Bissig sind sie auch- dabei werden Krankheitserreger übertragen. Ich wünsche jedem, der sie füttert, einen abgebissenen Finger- denn das Hotelpersonal hat darunter zu leiden.

Neben den Affen gibt es Nashornvögel, Fledermäuse und sogar Buschbabys (etwa waschbärgroße Tiere, die unseren Siebenschläfern ähnlich sehen). Hat man Glück, kann man auch Colobus - Affen bewundern. Das sind Affen in der Größe etwas kleiner als Paviane, scheu und nur bestimmte Blütenarten fressend. Sie haben rabenschwarze kleine Gesichter und an den Oberarmen lange weiße Haare. Diese Tiere stehen unter strengem Schutz- und es gibt in der Nähe eine Aufzuchtstation, um die Art zu erhalten. Allgegenwärtig sind vieler Orts Haustiere wie Ziegen und Zebu - Kühe, wogegen Hunde und Katzen relativ selten sind.

Tierwelt an den Riffen

Ich kann hier nur über das berichten, was ich wirklich gesehen habe. Das ist an dem Riff vor dem Strand des Hotels  schon sehenswert- weshalb es sich absolut lohnt, sich mit einem der Auslegerboote dorthin bringen zu lassen. Gute Schwimmer schaffen das auch ohne Boot. Der in dieser Zeit (März) ausgehandelte Preis für das ganze Boot lag um die 15 €- Dafür wurde man zum Riff gebracht und geholt- sowie private, nicht wassertaugliche Sachen sicher verwahrt. Unser Vertrauen in die "Kapitäne" wurde niemals mißbraucht. Das Schnorcheln in dem badewannenwarmen und glasklaren Wasser war ein Genuss. Neben vielen Korallenarten gab es etliche Fischarten, die unsereins meist nur aus den Aquarien kennt. Darunter z.B. Kofferfische, Moränen und kleine Seeschlangen, ebenso Plattfische und Rochen. Faszinierend waren auch die unglaublich bunten Seesterne und sogar mit Farben versehene Seeigel- von denen man natürlich besser die Finger lässt.

Er nannte sich Iglo- heißt aber eigentlich Mavooro. Auch mit ihm gab es nur gute Erfahrungen- Sprüche wie kein Zweiter

Aber- wenn diese Riff schon einiges zu bieten hat, das Riff von Wasini Island übertraf das alles bei weitem. Auch diesen Tripp haben wir wieder bei einem der Strandboys gebucht- zu einem Preis pro Person von je ca. 50 € bei insgesamt vier buchenden Personen. Wir gehen nach unserer Erfahrung davon aus, dass ein zu niedriger ausgehandelter Preis sich auf die Qualität des Essens auswirken kann. Uns ist nämlich aufgefallen, dass auf dem gleichen Schiff befindliche Personen zu unterschiedlichen Inselrestaurants gebracht wurden. Diesmal hatten wir das Essen betreffend ein wenig Pech (oder zu wenig bezahlt?).

Die Fahrt mit einem Kleinbus zu einem auf der anderen Seite von Mombasa gelegenen Hafen nimmt mindestens 2 Stunden in Anspruch- erst dann geht es mit einer Dau (Holzsegler mit Außenborder) auf Umwegen zur Wasini Insel. Vor dem Schnorcheln am Riff galt es nämlich, eventuell Delphine zu sichten. Das kann niemand garantieren- doch wir hatten das Glück gleich eine ganze Familie zu sichten. Die Tiere spielten eine ganze Weile mit uns und tauchten immer wieder neben dem Boot auf. Es machte ihnen offenbar genauso viel Spaß wie uns.

Für uns ein seltener Anblick. Spielende Delphine

Das soll nun erst einmal ausreichen- denn schließlich geht es in diesem Blog in erster Linie um die Dinge rund um das Motorrad. Da hat Kenia nur etwas für ausgebuffte Enduristen und absolute Abenteurer zu bieten- nichts für den halbwegs normalen Motorradfan. Immerhin- wer einigermaßen wohlhabend ist, fährt mindestens eine optisch gut aufgemachte 125 ccm - Maschine aus chinesischer Produktion......Wir werden auf jeden Fall Kenia wiedersehen.


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