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Motorradurlaub auf Korsika/Teil 1

Fredis Touren- und Schraubertipps

19.01.2008

Motorradurlaub auf Korsika/Teil 1

Geschrieben von Alfred Vorbeck in Urlaub
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Traumurlaub auf der Heimatinsel Napoleons/Teil 1

  • Reisevorbereitungen - Wie und wann und womit
    Fahrzeuge, Fähren, Nachtfahrt/Tagesfahrt, Jahreszeit
  • Fährhäfen, Fähren
    und wie man sich dort verhält, Kabine ja- oder nein?
  • Ankunft, Entladen, Raus aus dem Hafen - aber wohin?
    Ost- oder Westküste, Nord- oder Süd
  • Stand ist der Januar 2010
Nicht nur das wartet...

Davor steht die Reisevorbereitung

oder ....haben die Götter den Schweiß gesetzt.....

Allgemeines
Diese Folge soll konkrete und nachvollziehbare Tipps für die enthalten, die die Insel Korsika abseits der Touristenströme mit dem Motorrad und Wanderschuhen entdecken möchten, ohne sie zu zerstören. Für die "Heizerfraktion" unter den Motorradfahrern eignen sich schon 90% der Straßen Korsikas von vornherein nicht. Dagegen bietet sie für den Naturfreund - sei er Motorradfahrer, Wanderer, Montainbiker oder auch Taucher ein buntes Kaleidoskop der Abwechslung, wie es sonst in Europa nur schwer zu finden sein dürfte. Als Fahrgerät eignen sich grundsätzlich alle Motorräder, die einigermaßen wendig und gut gefedert sind. Will man das wunderschöne Inland mit seinen Gebirgsstraßen erkunden, eignet sich die Klasse bis ca. 200 kg (Leistung fast egal) am Besten. Ich selbst fahre zwar eine Yamaha XJ 900, die schwer und kopflastig ist, dafür aber unendlich bequem und von mir auf bessere Handlichkeit getrimmt. Aber auch Goldwinger werden auf ihre Kosten kommen, denn es lässt sich fantastisch auf den meisten Küstenstraßen dahinrollen und genießen. Dazu gehört möglichst leichte Sicherheitsbekleidung und -ganz richtig- klein einrollbare Regenkleidung. Wegen seiner hohen Berge (über 2600m) kann es ganz schön heftig und auch plötzlich zu Wolkenbrüchen kommen. Selbst Schnee ist auf den Pässen bis Anfang Juni möglich. Damit ist auch klar, dass das Innenfutter der Textiljacke mit auf die Reise muss. Zur Vorbereitung der Motorräder möchte ich hier nicht allzuviel sagen, denn das ist individuell auch von der Art der Anreise abhängig. Mein Grundsatz lautet: Eine gut gepflegte Maschine kommt überall hin, d.h. Fahrwerk und Motor sind Top in Schuß und braucht dass, was vor einer Tour mit 3000km und mehr erforderlich ist. Zieht man den Transport auf einem Anhänger vor, weil man sich die Reifen auf der Autobahn nicht eckig fahren will, erleichtert das so manches. Wir bewegen uns in Europa und die Insel ist gut versorgt. Vertretungen der großen Marken (selbst Harley) sind auf Korsika vorhanden. Für die Versorgung der Maschine genügt also das, was man zu Hause auch mit auf eine größere Tour nimmt, z.B. Pannen- und Kettenspray sowie einen vernünftigen Werkzeugsatz. Ich empfehle auch, dass bevorzugte Motoröl in einer 1L-Flasche oder nach Bedarf mitzunehmen. Wer -wie ich - zu der Überlegung gelangt ist, dass das Motorradfahren auf der Autobahn mit zwei oder mehr Motorrädern erstens nicht schön und zweitens teuer ist, der entschließt sich vielleicht auch, sein(e) Mopeds auf dem Anhänger mitzunehmen. Dann muß er natürlich auch Auto und Anhänger entsprechend vorbereiten. Der geneigte Leser mag es nachrechnen: Aus dem Westen (z.B. dem Rurgebiet) kommend, spart man sich bei zwei Maschinen mindestens 4000km Reifenverschleiß und eine Menge Sprit, denn ein Diesel braucht als Zugfahrzeug so ca. 8l auf 100 km, zwei bescheidene Motorräder aber jeweils 6l, macht zusammen 12l -Normalbenzin oder Super. Die Vignette für die Schweiz braucht ein Pkw mit Anhänger dagegen auch 2 mal (Abzocke). Und - nicht vergessen - Mitnahme von Gepäck, z.B. auch dem im Sommer heißgeliebten Jethelm - kein Problem.

Das kann dann so aussehen:

Gepackt

Nun, bevor es soweit ist, sollte man sich in einem ersten Schritt informieren. Das kann man machen, indem man sich als ADAC - Mitglied das kostenfreie Info- und Kartenmaterial bei der nächsten Geschäftsstelle holt und sich - was ich sehr empfehle - einen HB - Atlas Korsika leistet. Mit den tollen Fotos kann man die Vorfreude auf das Kommende steigern und dem darin enthaltenen Kartenmaterial schon mal erste Ausflüge planen. Wer mehr Zeit hat und vielleicht auch schon einmal da war, dem lege ich den "Grünen Reiseführer KORSIKA" aus dem Michelin Reiseverlag ans Herz. Aus diesem Verlag kommt auch das bevorzugte Kartenmaterial, nämlich die 1:150.000 Karte Nr. 345 LOCAL/Corse-du-Sud. Wer, wie ich, möglichst alles sehen will, der darf sich auch noch auf der Insel die "Carte de Randonnee`" des Institut Geographice National im Maßstab 1:25.000 der einzelnen Regionen besorgen. Dann kann man mit dem Motorrad ins Zielgebiet fahren, wechselt die Motorradstiefel gegen gute Wanderschuhe aus und findet (aber nur ganz vielleicht) auch die Plätze, die ich kenne und niemandem verrate. Aber -keine Sorge - hier und da werde ich schon sagen, wo es lang geht. Bis jetzt haben die Vorbereitungen vielleicht Nerven - aber noch kein Geld verschlungen. Dazu komme ich jetzt: Starke Nerven, Geduld und Geld -es geht nämlich um die Suche nach einer geeigneten Fähre.

Anfahrt/Fahrzeit
Aktuelle Preise für dieses Jahr (2010) liegen z.B. von den Gesellschaften Corsica ferries und Moby-Lines vor. http://www.corsicaferries.com

Das z.Zt. günstigste Angebot ist unter Berücksichtigung der Fährhäfen (Hafengebühren sind z.B. in Genua höher und beeinflussen damit den Gesamtpreis) bei Corsicaferries zu finden. Die für aus dem Westen anreisenden Passagiere günstigsten Häfen sind Savona (nördlich von Genua), Genua und wegen der teilweise günstigen Abfahrzeiten gegebenenfalls noch Livorno. Auch Nachtfähren fahren lange nicht immer und an jedem Tag. Deshalb kann auch aus diesem Grund die Entscheidung anders ausfallen, als man ursprünglich wollte. Mein Rat lautet ganz eindeutig: Wer die Motorräder per Anhänger mitnimmt, sollte nachts fahren und für die Hinfahrt eine Vormittagsfähre nehmen. Die Fahrzeit beträgt nachts wegen der günstigen Verkehrslage und gleichmäßiger Geschwindigkeit ca. 12 Stunden. Daran denken: Nachts sind in der Schweiz die Tankstellen in der Regel zu - und manchmal (mir schon oft passiert) auch der Gotthard Tunnel gesperrt. Das heißt natürlich auch, Reservezeiten einkalkulieren. Es sind nach Genua oder Savona ca. 1000+ km Gesamtfahrstrecke. Aus fahrtechnischen wie aus Preisgründen empfiehlt es sich auch, an einem Wochentag (z.B. Donnerstag oder Freitag) sowohl hin- als auch zurück zu fahren. Dann bieten die Fährgesellschaften häufig Sondertarife.

Fährt man mit dem Motorrad, sollte selbstverständlich am Tag gefahren werden - schon allein deshalb, weil die Fahrt durch die Schweiz auch auf der Autobahn ein schönes Erlebnis ist - wenn es nicht regnet oder schneit.

Jahreszeiten, Fährpreise und Fährgesellschaft schlage ich nach eigener Erfahrung wie folgt vor: Ab Mai und im September zeigt die Insel ihre schönsten Seiten mit weniger Tourismus und einer gerade erwachten oder noch in Blüte stehenden Natur. Dann sind auch die Preise normaler, denn immerhin gehört Korsika zu Frankreich und ist eine Insel - was die Sache teurer macht. Mein Vorschlag lautet deshalb, mit Corsiaca Ferries z.B. ab Savona eine Frühfähre (Freitag/8.15 Uhr, 1 Std vorher da sein) nehmen, die auf Korsika im Hafen von Bastia gegen 14.15 Uhr anlegt. Das kostet komplett mit Auto bis 5m Länge, Anhänger bis 4m Länge und zwei Personen (via Internet zu buchen) 90,- Euro. So bleibt genügend Zeit, auf der Insel eine vorher gebuchte Unterkunft zu erreichen. Zumindest, wenn diese auf der Ostseite der Insel liegt. Wenn man noch auf die andere Seite der Insel will, sind Fahrzeiten zu berücksichtigen, denen ein max. Schnitt von 30 Km/h zu Grunde liegt. Nach einem Aufenthalt von zwei bis drei Wochen bietet sich die Rückfahrt mit der Nachtfähre der gleichen Gesellschaft an. Sie legt auf dem Festland je nach Wochentag in Savona (besser) oder Livorno an. Die Fähre legt um 21.00 in Bastia ab und kommt um 07.00 Uhr im Hafen des italienischen Festlandes an. Der Preis - wieder für zwei Personen - mit einer Kabine beträgt 150,22 Euro, davon 65 Euro für die Außenkabine (Cruise) mit Dusche und relativ bequemen Betten. Wer sparen möchte oder sparen muss sollte sich bemühen, möglichst zügig aus dem Parkdeck auf die Passagierdecks zu kommen, damit sich ein geeigneter Schlafplatz findet. Ich finde allerdings, dass 55 Euro für zwei Personen in einer Innenkabine (Holliday) gut angelegt sind. Ein guter Rat an dieser Stelle: Mit dem Motorrad allein unterwegs sind Ratschenspanngurte im Gepäck Pflicht, denn nur so ist eine sichere und beschädigungsfreie Arretierung der Motorräder im Bauch der Fähre sicher. Das Personal der Fähre ist in der Regel so ruppig bis dreist, dass einem die Tränen in die Augen steigen und das Kleinhirn beginnt, erste Signale an die Faust zu senden. Das Personal versteht allerdings, wer die Naivität einzelner Fahrer beobachtet. Wer mit dem Motorrad auf eigenen Rädern angekommen ist, kommt in diesem Jahr bei Berechnung von zwei Motorrädern auf der Fähre erstmals etwas billiger weg. In diesem Fall ist allerdings auch für die Hinreise eine Nachtfähre zu empfehlen - was den Preisvorteil wieder auffrisst. Übrigens: Je später man die Fähre bucht- je teurer wird sie.

Alternativ ist es selbstverständlich wunderschön, wenn man genügend Zeit hat und mit dem Motorrad in mehreren Etappen anreist. Das kann in so vielen Varianten erfolgen, dass ich hier nur die Reise via Lago Maggiore oder Thuner See anführen möchte.

Angekommen Bastia/Hafen

Ja was denn? Keine Unterkunft?

Jetzt kommen wir zu einem Problem, dass keines ist - wenn man sich auskennt. Muss ich eigentlich vorher buchen? Nehme ich meine Hundehütte, sprich Igluzelt, nehme ich ein Hotel? oder gibt es was dazwischen? Nach meiner Erfahrung fühlen sich sehr viele Motorradfahrer auf einem Campingplatz wohl - wegen der Freiheit und so. Nur von wildem Campen rate ich dringend ab - wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Ich habe Leute kennengelernt, denen bei dieser Gelegenheit mit Waffengewalt das Moped abgenommen wurde. Daran denken: Auf der Insel gibt es nach wie vor eine Unabhängigkeitsbewegung!!! Schon vor vielen Jahren bin ich auf den Trichter gekommen, dass es in der Vor- oder Nachsaison billiger und sicherer sein kann, ein Zelt oder Mobilheim vor Ort zu mieten. Das erspart gewaltige Mengen an Gepäck und ist ausgesprochen komfortabel. Doch stelle ich immer wieder fest, dass sich das bei vielen Motorradfahrern noch nicht herumgesprochen hat. Mittlerweile ist die Vermietung von Mobilheimen jeder Größe in Frankreich und Italien ein Riesenboom geworden - und das zu vernünftigen Preisen. Man kann Anfang Juni durchaus das Risiko eingehen, ohne Vorbuchung zu fahren. Es gibt auf Korsika einige Plätze, z.B. in Ghisonaccia, die bei Nutzung aller Rabatte bis einschließlich Juni und dann wieder im September Mobilheime für zwei bis drei Personen/Dusche/WC/Küche/Terasse für etwa 200,- Euro die Woche anbieten. Bleibt man z.B. 3 Wochen muss man in dieser Zeit nur zwei Wochen bezahlen.Supermärkte für Selbstversorger gibt es mit allem Schnick und Schnack in nächster Nähe. Und Platz direkt vor dem Mobilheim für das geliebte Moped sowieso.Ich habe hier aus guten Gründen gerade für Motorradfahrer Ghisonaccia als Ziel benannt. Es liegt an der zu Unrecht manchmal verkannten Ostküste, mittendrin und nicht weit von einem Militärflugplatz. Aber: Zu den von mir genannten Zeiten gibt es so gut wie nie Fluglärm - und vor allem . von dort aus kann man mit etwas Kondition wirklich die gesamte Insel "erfahren". Sicher hätte ich auch den bekannteren Ort Porto Vecchio ansteuern können, doch hätte ich dann einen leichten Schluckauf wegen der Preise ständig bekämpfen müssen. Wer macht das schon gern? Bei Ghisonaccia liegen zudem einige Spitzen- Campingplätze, z.B. Marina de Erba Rossa, in traumhafter Umgebung (an einem tollen Strand unter altem Baumbestand - natürlich mit Pool, eigenem Laden usw.) Wer mir bis hierher gefolgt ist, hat vermutlich im Hafen von Bastia den ersten Schock erlitten, um dann wenig später bei der Ausfahrt aus dem Hafengelände von einem Beinahe-Schlaganfall dahin gerafft zu werden. Die immer wieder gepriesene Insel zeigt sich nämlich bei der Ankunft auf einigen wenigen Kilometern von der Industrie leider stark angefressen. Auch Ghisonaccia selbst würde ich nicht gerade als mediterranes Musterörtchen sehen - dafür aber seine Umgebung. Der Leser wird mir spätestens beim ersten Ausflug, der z.B. nach Ghisoni durch das Defile de Ì Incecca und das Defile des Strette führt, vergeben. Dazu mehr im Teil 2.

Unterkunft Mobilheim/Kontrollcheck
Tags für diesen Artikel: Korsika, Touren, Urlaub
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